Pressemitteilung Archiv 2012

Das erste Digitalradio für blinde und sehbehinderte Menschen

Zahlreiche Features erleichtern Bedienbarkeit / DAB+ Empfang sorgt für exzellenten Hörgenuss / Große Programmvielfalt durch digitale Verbreitung

[München / Nettetal] 6. Juni 2012 - Im Rahmen einer Pressekonferenz am 6. Juni 2012, dem offiziellen Sehbehindertentag, stellte der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. (BBSB) in seiner Landesgeschäftsstelle in München den ersten Digitalradio-Empfänger vor, der auch von blinden und sehbehinderten Menschen bedient werden kann.

Im Beisein von Thomas Kreuzer, bayerischer Medienminister und Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, fand die Vorstellung des „dRadio 110" der Firma TERRATEC Electronic GmbH (Nettetal) statt. Die Bayern Digital Radio GmbH (BDR) und das Elektronikunternehmen haben in enger Zusammenarbeit mit dem BBSB und der Interessengemeinschaft Sehgeschädigter Computerbenutzer e.V. (ISCB) das erste barrierefreie Radio entwickelt.

Staatsminister und Leiter der Bayerischen Staatskanzlei Thomase Kreuzer (Bild: Bayern Digital Radio (BDR))

Dr. Stefan Insam, Stellvertretender Landesvorsitzender des BBSB:

"Das Digitalradio-Gerät entspricht in hohem Maße den Vorstellungen des Universal Design*. Wir haben hier ein handelsübliches Gerät, das Informationen hörbar macht und das dadurch von Menschen, die blind sind oder nur wenig sehen können, gut bedient werden kann."

Dr. Stefan Insam, Stellvertretender Landesvorsitzender des BBSB (Bild: BDR)

Rudi Ullrich, Präsidiumsmitglied des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V.(DBSV): "Digitale Medien sind auch für blinde und sehbehinderte Menschen unverzichtbar, um ihr Recht auf Meinungsbildung und gesellschaftliche Teilhabe wahr-nehmen zu können. Dafür sind barrierefrei bedienbare Endgeräte, wie Radio- und Fernsehgeräte, Smartphones und Computer unerlässlich. In ihren Artikeln 21 und 30 gibt die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen allen Staaten auf, diese Vorgabe umzusetzen."

Rudi Ullrich, Präsidiumsmitglied des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V. (DBSV) (Bild: BDR)

Halbjährige Entwicklungszeit

In einer rund halbjährigen Entwicklungszeit wurde das „NOXON dRadio 110" um die barrierefreien Features für Blinde und Sehbehinderte ergänzt. Es enthält fühlbare Bedientasten sowie ein ein-rastendes Drehrad für die Senderwahl. Eine Text-To-Speech-Funktion gewährleistet, dass die DAB+ -Sender sprachlich wiedergegeben werden. Weiteres Kernstück ist eine audiovisuelle, also vertonte Bedienungsanleitung. Sie erklärt Schritt für Schritt die Inbetriebnahme und Funktionalitäten. Alle notwendigen Features wurden gemeinsam mit dem BBSB getestet und den speziellen Anforderungen angepasst.

Joachim Uhrig, Leiter New Business Development der TERRATEC Electronic GmbH:

„Wir haben auf die Anfrage nach einem barrierefreien Hörfunk-Empfänger mit großer Empathie reagiert und die speziellen Bedürfnisse ernst genommen. Die Zusammenarbeit war konstruktiv und hat zu einem äußerst zufriedenstellenden Ergebnis geführt." Die kostenlose Erweiterung der Text-To-Speech-Funktion kann jeder Besitzer des bisherigen „NOXON dRadio 100" als Software über die USB-Stelle updaten. „Wir werden im Rahmen unserer Zusammenarbeit den Bedürfnissen der Blinden und Sehgeschädigten weiter entgegenkommen und mit ihnen gemeinsam zusätzliche und passgenaue Features entwickeln", so Uhrig. Mit dem erreichten Know-how will die TERRATEC Electronic GmbH auch weitere Geräte der NOXON-Produktgruppe auf die speziellen Funktionalitäten anpassen und somit einem noch breiteren Publikum von Radiohörern den Genuss digitalen Hörens ermöglichen.

Joachim Uhrig, Leiter New Business Development bei TERRATEC Electronic GmbH (Bild: BDR)

Johannes Trottberger, Geschäftsführer Bayern Digital Radio GmbH:

„Für uns als BDR ist es auch wichtig hervorzuheben, welch großen Vorteil Digitalradio-Empfänger in Bezug auf Bedienkomfort gegenüber den herkömmlichen UKW-Empfängern bieten. Ein weiterer Beweis für die enorme Flexibilität des neuen Übertragungssystems – vor allem wenn es sich um das Thema barrierefreie Zugänge handelt – ist die technische Implementierung zusätzlicher Features, ohne dass sich dadurch der Gerätepreis erhöht."

Johannes Trottberger, Geschäftsführer der Bayern Digital Radio GmbH (Bild: BDR)

Auch der Hörfunk unterstützt die technische Entwicklung

Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien: „Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass sich Menschen mit Behinderung ebenso den unterschiedlichen Medien zuwenden wie Personen ohne Behinderung. Allerdings wird behinderten Menschen der Medienkonsum häufig unnötig schwer gemacht. Umso erfreulicher ist es, dass jetzt erstmals ein Digitalradio-Empfänger zur Verfügung steht, der modernste Technik mit den Bedürfnissen von blinden und sehbehinderten Menschen verbindet."

Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (Bild: BDR)

Anke Mai vom Bayerischen Rundfunk (Hörfunkdirektion): "Der Bayerische Rundfunk engagiert sich seit langem für barrierefreie Medienangebote in Hörfunk, Fernsehen und Internet. So ist der BR zum Beispiel einer der größten Produzenten für Audiodeskription und hat dazu beigetragen, dass das Angebot an Hörfilmen zur Information und Unterhaltung sehbehinderter Menschen in den letzten Jahren um mehr als das Zehnfache gesteigert werden konnte. Mit unseren vielseitigen Programmangeboten im Hörfunk sind wir ein wichtiger Bestandteil im Leben sehbehinderter Menschen. Deshalb fördern und unterstützen wir die weiteren Erleichterungen und zusätzlichen Angebote, die diesen Hörerinnen und Hörern durch Digitalradio ermöglicht werden."

Anke Mai von der Hörfunkdirektion des Bayerischen Rundfunks, Leitung Bereich Zentrale Planung und Koordination (Bild: BDR)

Dr. Chris Weck, Deutschlandradio:

„Das neue Digitalradio für Sehbehinderte ist eine wirklich gute Antwort auf viele unserer Höreranfragen. Denn die gesamte Medienwelt einschließlich Fernsehen und Hörfunk entwickelt sich hin zu visuellen Bedienkonzepten. Smart Phones, Smart TV mit Zugang zu Mediatheken und programmbegleitenden Datendiensten sind für Sehbehinderte ein echtes Problem. Selbst Radiohören über den digitalen Satelliten oder das digitale Kabel ist ohne Fernseher kaum mehr möglich. Hörfunk ist aber gerade das Medium, das grundsätzlich ohne visuelle Elemente auskommen kann. Deutschlandradio möchte daher ganz bewusst seinen sehr aufmerksamen, sehbehinderten Hören das Radiohören so einfach wie möglich machen."

Dr. Chris Weck, Leiter Hauptabteilung  Rundfunk- und Informationstechnik beim Deutschlandradio

Beratung und Verkauf

Neben den technischen Funktionalitäten ist auch die Verpackung des Radios angepasst, so dass die Blinden und Sehbehinderten eine optimale Produktführung während des Kaufs haben. Darüber hinaus hilft auch die Telefonberatung der TERRATEC Electronic (Hotline: 02157-817914) bei allen Fragen rund um das Gerät weiter.

Das DAB+ Radio ist mit den neuen Features ab Juni weiterhin zum Preis von 89,90 EUR im Handel erhältlich.

Pressekontakt:

Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V.

Landesgeschäftsstelle
Elke Runte
Leitung Kommunikation  
Arnulfstraße 22
80335 München
T (089) 5 59 88-1 32
F (089) 5 59 88-1 79
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

TERRATEC Electronic GmbH

Sylke Will
Unternehmenssprecherin
Herrenpfad 38
41334 Nettetal
T (02157) 81 79-7 20
F (02157) 81 79-22
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e. V. (BBSB)

Der BBSB ist die Selbsthilfeorganisation der über 80 000 blinden und sehbehinderten Menschen in Bayern. Er vertritt ihre Interessen gegenüber Politik, Wirtschaft und Öf-fentlichkeit. Ziel des BBSB ist, blinden und sehbehinderten Menschen ein selbstbe¬stimmtes Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. In 10 Beratungs- und Begeg¬nungszentren bietet der BBSB wohnortnahe Hilfen an – dazu gehören der ambulante Reha-Dienst mit Schulung in Orientierung und Mobilität sowie selbständiger Haushalts- und Lebensführung; sozialrechtliche Beratung, individueller Textservice, berufliche Rehabilitation, Austausch mit Gleichbetroffenen, Freizeit und Fortbildung.

Zusätzliche Informationen