Pressemitteilung Archiv 2013

Sehbehinderung ist ein großes Thema

Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. (BBSB) zu Gast im Münchner KWA (Kuratorium Wohnen im Alter) Luise-Kiesselbach-Haus

„Sehbehinderung ist ein großes Thema, es betrifft fast die ganze Bewohnerschaft", sagte der Leiter des KWA Luise-Kiesselbach-Hauses Michael Pfitzer, als er am 6. Juni, dem Bundesweiten Sehbehindertentag, Vertreter der bayerischen Blinden- und Sehbehinderten-Selbsthilfe in seinem Haus zu einem Runden Tisch empfing.

Gemeinsam haben er, BBSB Landesgeschäftsführer Christian Seuß, die Augenärztin Dr. Cornelia Lohan und BBSB Reha-Lehrerin Kathrin Schreck zusammengetragen, was zur Unterstützung sehbehinderter Bewohner im Seniorenheim getan werden kann.

Vorangegangen war eine Begehung der modernen, im Jahr 2006 eröffneten Einrichtung, die für besseres Sehen bereits zentrale Vorraussetzungen bietet: Die großen Glasfronten und bodentiefen Fenster in den Bewohnerzimmern lassen viel Tageslicht ins Innere. Die Flure sind in kurzen Abständen durch Deckenleuchten sowie zusätzliche Lichtquellen vor den Zimmertüren erhellt und ein sprechender Aufzug hilft beim selbständigen Fortbewegen im Haus – um nur einige Merkmale der sehbehindertengerechten Ausstattung zu nennen.

Zur Optimierung der Orientierung möchte Michael Pfitzer die Stufen in den Treppenhäusern farbig markieren und um die weißen Lichtschalter einen farbigen Rahmen ziehen lassen.

„Oft ist mit einfachen und auch kostengünstigen Maßnahmen schon viel zu erreichen", betonte BBSB Reha-Lehrerin Kathrin Schreck, die bei ihren Haus- und Heimbesuchen viele Tipps geben kann: Ein roter Untersetzer unter einem Wasserglas, ein blauer Toilettendeckel in einem weißen Badezimmer oder eine zusätzliche Leselampe, die das Schriftstück direkt anstrahlt, verbessern die Orientierung und Selbständigkeit sehbehinderter Menschen erheblich.

„Es ist ein wesentliches Anliegen des BBSB, betroffenen Menschen die Angst davor zu nehmen, sich alleine zu bewegen, und damit auch einer Vereinsamung vorzubeugen", sagte Christian Seuß, der sich beim Einrichtungsleiter für dessen Gastfreundschaft und Engagement herzlich bedankte.

Michael Pfitzer, der die Begehung seines Hauses streckenweise unter einer Simulationsbrille mit 10 Prozent Restsehvermögen absolvierte, liegt das Einfühlen in die Welt der Senioren sehr am Herzen. In einer nächsten Besprechungsrunde möchte er Simulationsbrillen an seine Mitarbeiter verteilen, so dass diese ihren Einblick in die Sichtweise sehbehinderter Bewohner noch vertiefen können.

Ein weiteres Merkmal im Luise-Kiesselbach-Haus ist eine seit Jahren bestehende Zusammenarbeit mit der niedergelassenen Augenärztin Dr. Cornelia Lohan. Alle ein bis zwei Wochen kommt sie ins Haus und untersucht die Bewohner vor Ort. Häufig meinten ältere Patienten, eine Brillenanpassung oder sogar Operation lohne sich bei ihnen nicht mehr, berichtete Dr. Cornelia Lohn. Hier kann sie mit ärztlichem Rat umstimmen, medizinische Maßnahmen durchführen oder empfehlen, wodurch sich die Lebensqualität der sehbehinderten Menschen dann deutlich verbessert.

Bundesweiter Sehbehindertentag 2013

Die Aktion „Sehen in Alterseinrichtungen" wurde vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), dem Dachverband des BBSB, gemeinsam mit dem Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) im Rahmen des bundesweiten Sehbehindertentages initiiert. Die beiden Verbände haben vor kurzem in Kooperation mit heimverzeichnis.de und mit Unterstützung von Bayer HealthCare eine Qualitätsoffensive für besseres Sehen in Alterseinrichtungen gestartet.

Dafür werden zurzeit alle Senioreneinrichtungen in Deutschland angeschrieben. Parallel finden bundesweit Schwerpunkt-Aktionen wie in München statt.

Laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es mehr als eine Million sehbehinderte Menschen in Deutschland. Um auf die Bedürfnisse dieser Menschen aufmerksam zu machen, hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) im Jahr 1998 einen eigenen Gedenktag eingeführt: den Sehbehindertentag. Er findet jährlich am 6. Juni zu einem bestimmten Thema statt.

Eine Service-Seite mit Pressebildern, Statistiken und weiteren Informationen finden Sie beim DBSV unter

www.sehbehindertentag.de.

Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. (BBSB)

Der BBSB ist die Selbsthilfeorganisation der rund 80.000 blinden und sehbehinderten Menschen in Bayern sowie der Patienten mit Augenerkrankungen. Er vertritt ihre Interessen gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Ziel des BBSB ist, blinden und sehbehinderten Menschen ein selbstbestimmtes und möglichst selbständiges Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. In 10 Beratungs- und Begegnungszentren bietet der BBSB wohnortnahe Hilfen an – dazu gehören der ambulante Reha-Dienst mit Schulung in Orientierung und Mobilität sowie selbständiger Haushalts- und Lebensführung, sozialrechtliche Beratung, individueller Textservice, berufliche Rehabilitation, Austausch mit Gleichbetroffenen, Freizeit und Fortbildung.

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