Pressemitteilung Archiv 2013

Blind und gehörlos im Leben bestehen

„In Bayern tut sich etwas, aber noch nicht genug“, sagt der Landesgeschäftsführer des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e.V. (BBSB) Christian Seuß, der zum 3. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, an die Situation taubblinder Menschen erinnert.

Ohne einen geübten Begleiter kann ein taubblinder Mensch seine vier Wände nicht verlassen. Der Begleiter muss nicht nur gut führen können, er muss auch das Lormen beherrschen. Dabei handelt es sich um ein in die Hand getipptes Alphabet. Jede einzelne Berührung der Handinnenfläche entspricht einem Buchstaben. Nur so kann ein Mensch, der weder hört noch sieht, an Gesprächen teilnehmen und erfahren, was um ihn herum und in der Welt geschieht.

Auf Initiative des BBSB wurde im Juli 2013 das Blindengeld für taubblinde Menschen von 535 Euro auf 1070 Euro monatlich rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres verdoppelt. So wird dem deutlich erhöhten Assistenzbedarf von Personen, die von Blindheit und zugleich Gehörlosigkeit betroffen sind, Rechnung getragen.

Diesem Teilerfolg müssen weitere Schritte folgen, so Christian Seuß. Der BBSB kämpft dafür, dass taubblinde Menschen in Deutschland ein eigenes Merkzeichen tbl (taubblind) im Schwerbehindertenausweis erhalten. Denn Taubblindheit ist nicht die Summe aus Gehörlosigkeit und Blindheit, sondern bedeutet im täglichen Leben eine Potenzierung dieser beiden Behinderungen.
Die Etablierung eines solchen Merkzeichens würde Behördengänge erleichtern und die Versorgungssituation mit Hilfsmitteln sowie Assistenzleistungen erheblich verbessern.

Daher wird der BBSB Gespräche mit den Fraktionen im Bayerischen Landtag führen mit dem Ziel, dass sie die neue Bundesregierung für das Thema sensibilisieren und dass dann im kommenden Jahr 2014 das längst überfällige Merkzeichen tbl eingeführt wird.

Um Unterstützung im Alltag zu erhalten, können sich in Bayern taubblinde Menschen und deren Angehörige an den Fachdienst Integration Taubblinder Menschen (ITM) wenden, an dem auch der BBSB beteiligt ist.

Darüber hinaus bietet in Bayern das Institut GIB (Gesellschaft, Inklusion, Bildung) eine Ausbildung zum Taubblindenassistenten an.
Der BBSB lädt alle Interessierten ein, sich mit diesem Thema zu befassen. Denn gut geschulte Assistenten sind für taubblinde Menschen die Brücke zur sehenden und hö-renden Welt.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf den Internetseiten vom GIB und auf den Internetseiten des Fachdienstes ITM.

Nähere Auskünfte zur Situation taubblinder Menschen in Bayern erhalten Sie auch beim BBSB Referenten für Hör-/Sehbehinderung Herrn Peter Bleymaier unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

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