Pressemitteilung Archiv 2014

Zum Welt-Braille-Tag:

"Louis Braille hätte sich sicher gefreut"

BBSB erinnert an Geburtstag des Punktschrifterfinders und setzt sich für mehr barrierefreie Informationsangebote ein

Am 4. Januar 2014 wäre Louis Braille, der Erfinder der Blindenschrift, 205 Jahre alt geworden. Bis heute bedeuten die sechs Punkte, aus denen sich die Schrift zum Tasten zusammensetzt, für blinde und stark sehbehinderte Menschen den Zugang zur Information. Auch im Online-Zeitalter ist die Punktschrift längst angekommen. Eine Braille-Zeile am Computer kann die Inhalte von Dateien und Webseiten in Blindenschrift tastbar wiedergeben, allerdings nur dann, wenn diese barrierefrei gestaltet sind.

 „Louis Braille hätte sich über eine barrierefreie PDF-Datei sicher gefreut“, sagt der Landesgeschäftsführer des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e.V. (BBSB) Christian Seuß, der zum Geburtstag des Punktschrifterfinders die Angebote des vereinseigenen Beratungs-, Informations- und Textservicezentrums (BIT) vorstellt.

Christian Seuß liest Legende vom Relief der Lorenzkirche in Nürnberg

Ein barrierefreies PDF ist eine mit zusätzlichen Strukturinformationen, so genannten Tags, aufbereitete Datei. Strukturinformationen können Überschriften- und Texthierarchien, Absätze oder Bildbeschreibungen sein. Ein Computer mit Sprachausgabe, einem Screenreader, liest den Text mit den Zusatzinformationen in der festgelegten Reihenfolge vor, genauso wie die Braille-Zeile am Rechner diese Inhalte in Punktschrift zum Tasten ausgibt.

So werden Texte und Bilder einer PDF-Datei für blinde und sehbehinderte Menschen uneingeschränkt zugänglich.

Neben dem Erstellen barrierefreier PDF-Dateien, einem seit 2013 neuen Service, bietet das BIT-Zentrum weitere Dienstleistungen an: Je nach individuellem Kundenwunsch werden vom Fachbuch über Romane bis hin zur Gebrauchsanleitung Texte aller Art in Punktschrift, Großdruck oder Audioversion umgesetzt.

Nicht nur blinde und sehbehinderte Kunden können diese Angebote nutzen, sondern auch Firmen oder öffentliche Einrichtungen, die Inhalte für Menschen mit Seheinschränkung lesbar machen möchten.

„Nach den Behindertengleichstellungsgesetzen sind Behörden und öffentliche Stellen zur Aufbereitung ihrer Intra- und Internetseiten sowie anderer Dokumente in einer für behinderte Menschen zugänglichen Form verpflichtet“, betont Christian Seuß „Jeder, der schon mal versucht hat, im Internet ein normales PDF-Formular blind auszufüllen, stößt auf große Schwierigkeiten.“ Daher setzt er sich für den stetigen Ausbau barrierefreier Informationsangebote ein und begrüßt bereits eingeführte Neuerungen wie Punktschriftangaben auf Medikamentenschachteln, auf Stadt- oder Verkehrsplänen, in Aufzügen oder auf Handläufen.

Solche Orientierungshilfen erleichtern blinden und sehbehinderten Menschen den Alltag erheblich und unterstützen sie in ihrer selbstbestimmten Lebensführung. Und Christian Seuß weiß, was das bedeutet. Denn er ist seit seinem 18. Lebensjahr blind. Sein Jura-Studium konnte er nur mit Unterlagen absolvieren, die für ihn lesbar, das heißt in Blindenschrift umgesetzt wurden - Louis Braille sei Dank.

Hier gehts zum Braille-Übersetzer.

Hier gehts zu den Angeboten des BIT-Zentrums

Bilder zum kostenfreien Abdruck im Rahmen der Berichterstattung über den Geburtstag von Louis Braille und den Angeboten des BIT-Zentrums:

BBSB Landesgeschäftsführer Christian Seuß  am PC mit Braille-Zeile

BBSB Landesgeschäftsführer Christian Seuß am tastbaren Plan der BBSB Landesgeschäftsstelle

BBSB Landesgeschäftsführer Christian Seuß  liest Legende vom Relief der Lorenzkirche in Nürnberg

 

Verfasserin: Daniela Noppeney

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