Pressemitteilung Archiv 2014

Keine tote Zeit mehr in der U-Bahn

Die Zeitung oder einen Fahrplan lesen, Farben erkennen oder den Barcode einscannen und schon wird angesagt, was in der Dose drin ist - das Smartphone bietet für blinde und sehbehinderte Menschen viele Möglichkeiten.

 „U-Bahnfahren ist mit dem Smartphone keine tote Zeit mehr, weil ich jetzt mit diesem Gerät Zeitung lesen kann“, berichtet aus eigener Erfahrung Christian Schöpplein, der selbst blind ist und einmal im Monat beim Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. (BBSB) einen Smartphone-Stammtisch leitet.

Generell sind native Apps für blinde und sehbehinderte Menschen einfacher zu bedienen als webbasierte, da hier Schaltflächen oder Listen vom Betriebssystem bereitgestellt und somit von der Screenreader-Software besser verarbeitet werden.

Außerdem geht bei webbasierten Apps der Fokus - also die Stelle auf der Seite, die die Sprachausgabe dem blinden User gerade vorliest - leicht verloren. Er springt dann unaufgefordert an einen anderen Ort. „Häufig ist das plötzlich eingeblendete Werbung“, berichtet Christian Schöpplein.
Auch der Seitenwechsel ist schwieriger, da der Fokus irgendwo landet und nicht wie bei nativen Apps an einer fest definierten Stelle, beispielsweise links oben auf der Seite.

Weitere Probleme, auf die seheingeschränkte User beim Zeitunglesen oder generell beim Arbeiten mit dem Smartphone stoßen, sind nicht beschriftete Bilder oder Schaltflächen wie etwa eine Zurück-Taste.

„Diese Beschriftungen sind nur kleine technische Änderungen, die aber für Menschen mit Sehproblemen eine große Erleichterung bedeuten“, betont der Stammtischleiter. Nur die Entwickler wüssten oft einfach nicht, was genau blinden und sehbehinderten Menschen hilft.

Daher fordert der BBSB die Einbeziehung der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe in die Entwicklung von Geräten und Apps und das Einhalten von Standards der barrierefreien Programmierung. Das sind neben einer ausreichenden Beschriftung beispielsweise auch die Skalierbarkeit von Schriftgrößen, Kontrasten und Farbeinstellungen. Das Zwei-Sinne-Prinzip muss zudem umgesetzt werden.

Anlässlich des bundesweiten Sehbehindertentags, der jedes Jahr am 6. Juni stattfindet, hatte der BBSB am Abend zuvor Medienvertreter zu seinem regelmäßigen Smartphone-Stammtisch eingeladen. Thema dieses Treffens war „ Zeitunglesen mit dem Smartphone für blinde und sehbehinderte Menschen“.

Auch wenn es noch Verbesserungspotential gibt, bedeutet diese Informationsaufnahme für Menschen mit Sehverlust ein großes Stück mehr Inklusion. „Ich komme in der Arbeit an und bin genauso informiert wie meine Kollegen“, erzählt Stammtisch-Teilnehmer Gregor Cordes und „das ist einfach toll.“

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