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Landestagung 2015 des BBSB e.V.

 

Neugewählter Vorstand des BBSB e.V. Text

Inklusion noch Illusion?! lautete das Motto der Festveranstaltung im Rahmen der Landestagung des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e.V. (BBSB), die vom 19. bis 21. November in Augsburg einberufen wurde. Zentrales Moment der alle vier Jahre stattfindenden Vereinstagung, die zugleich das höchste Gremium des BBSB e.V. darstellt, war die Wahl des neuen Vorstandes.

Zum offiziellen Festakt konnte der BBSB e.V. am Freitag, 20. November, rund 250 Gäste im Kongress am Park begrüßen, darunter zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und Verwaltung sowie Vertreter der Medien. Bayerns Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration Emilia Müller war Schirmherrin dieser Veranstaltung.

Mittendrin auf einem guten weg zu einer inklusiven Gesellschaft

Moderator der Festveranstaltung Christian Stahlberg auf der BühneDer Moderator Christian Stahlberg, der die Gäste charmant und kurzweilig durch den festlichen Nachmittag führte, hieß als ersten Grußwortredner und Vertreter von Ministerin Emilia Müller deren Amtschef Michael Höhenberger herzlich willkommen.

In seinem Grußwort ging der Amtschef auf die Forderungen der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe nach einem abgestuften Blindengeld für hochgradig sehbehinderte Menschen und auf das Bundesteilhabegesetz sowie auf die Verwirklichung der Barrierefreiheit in Bayern ein.

„Barrierefreiheit ist ein Top-Thema vor Ort! Das ist nicht hoch genug einzuschätzen: Denn es sind nicht nur Barrieren aus Beton, die wir abbauen müssen. Es sind vor allem auch die Barrieren in den Köpfen. Daher starten wir noch in diesem Monat eine Bewusstseinskampagne speziell zur Barrierefreiheit", sagte der Politiker.

Insgesamt sei Bayern auf einem guten Weg hin zu einer inklusiven Gesellschaft, resümierte Michael Höhenberger. Viele Schritte seien bereits getan und sind weiter zu tun. Dabei müsse noch mehr an die Bedürfnisse behinderter Menschen gedacht werden. Er sprach sich dafür aus, Betroffene selbst noch stärker miteinzubeziehen.

Der zweite Grußwortredner Dr. Stefan Kiefer, Sozialreferent und 3. Bürgermeister der Stadt Augsburg, überbrachte herzliche Grüße von der Stadt und vom Oberbürgermeister.
Die Antwort auf die Frage, ob Inklusion noch Illusion sei, variiere vom Standpunkt des Betrachters, so der Sozialreferent. Für Betroffene, die Barrieren jeden Tag spürten, ginge die Entwicklung oft zu schleppend, was auch Enttäuschungen bedeute. Inklusion sei eine große Dauerbaustelle, die nicht in einem Jahr oder auch nicht in zehn Jahren bewältigt sei, so Dr. Stefan Kiefer. „Aber wir gehen das alles an.“ Sein Fazit: „Inklusion ist keine Illusion. Wir sind mittendrin auf einem guten Weg.“

Talkrunde

Im Anschluss zeichneten drei Experten in einer Talkrunde eine Momentaufnahme zum Stand der Inklusion.

Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e. V. (DBSV), thematisiert die hohe Zahl arbeitsloser blinder und sehbehinderter Menschen. Aus der eigenen Beratungspraxis kann er die sehr geringe Erwerbstätigkeitsquote blinder Menschen von nur 25 % bis 30 % ableiten. Zudem kritisierte er die oft zu langen Fristen zur Bewilligung von Hilfsmitteln oder Assistenzkräften.

Seit 2013 sei barrierefreies Bauen bauordnungsrechtlich verpflichtend, berichtete Diplomingenieur Knut Junge, Experte auf dem Gebiet des barrierefreien Bauens. Normen seien nur dann verbindlich, wenn sie als technische Baubestimmungen Teile der Bauordnung seien.
Idealerweise sind Betroffene bereits an der Planung beteiligt, denn Barrierefreiheit sei nichts, was zum Schluss noch schnell ergänzt werden könne.
Für sehende Architekten sei barrierefreies Bauen auch deshalb schwierig, weil es oft um das gehe, was man nicht sieht: zum Beispiel ein fehlendes Blindenleitsystem, die fehlende Kennzeichnung von Glasflächen oder von Stufenvorderkanten.

Maria Setzer, Schulleiterin am Sehbehinderten- und Blindenzentrum Südbayern in Unterschleißheim, begrüßt die Wahlfreiheit der Eltern zwischen inklusiver Beschulung und der in Förderzentren. Diese Wahlfreiheit sei durch das Bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz zudem gestärkt worden. Probleme sieht die Schulleiterin beispielsweise noch bei der fristgerechten Ausstattung mit Hilfsmitteln, etwa Büchern, für inklusiv beschulte Kinder.

Inklusionspreis 2015

Der Inklusionspreis 2015 des BBSB e.V. geht an die Firma Apple GmbH für ihr hervorragendes Engagement bei der barrierefreien Gestaltung ihrer Produkte. Die standardmäßig mitgelieferte Brückensoftware VoiceOver, ein so genannter Screen Reader, ermögliche blinden und sehbehinderten Menschen das Bedienen der Apple Geräte ohne zusätzliche Hard- oder Software, sagte Judith Faltl in ihrer Laudatio.
Übergabe des BBSB Inklusionspreises 2015Als sichtbares Zeichen des Danks überreichte sie den Inklusionspreis, das vom Bildhauer Wokurka gestaltete Bronzekunstwerk mit dem Titel „Unendliche Fläche“.

Jakob Kwietniewski bedankt sich für den Inklusionspreis 2015

Den Preis nahm der selbst blinde Apple-Mitarbeiter Jakob Kwietniewski entgegen, der sich im Namen der Apple GmbH sehr herzlich bedankte. Als er vor knapp zwölf Jahren zum ersten Mal „so eine glatte Fläche mit Touchscreen“ in die Hände bekam, konnte er sich nicht vorstellen, dass das die Zukunft sei, so Jakob Kwietniewski. Heute sei das I-Phone sein ständiger Begleiter, der ihm das Leben unglaublich erleichtere. Er lese damit Briefe am Küchentisch und könne an der Haltestelle nachsehen, wann der nächste Bus kommt ohne jemanden zu fragen.

Er hofft für die Zukunft, dass behinderte Menschen noch viele Produkte, egal aus welcher Branche, erwarten, bei denen Bedienungshilfen von Anfang an integriert sind und Inklusion nicht erst nachgereicht werden muss, weil diese Geräte ein Stück mehr Lebensqualität bieten.

Ehrungen

Seit 1973 ist Ingrid Lischke ununterbrochen als ehrenamtliche Blinden- und Sehbehindertenberaterin für die Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim unterwegs, zu deren stellvertretenden Leiterin sie 2015 gewählt wurde. Für diesen langjährigen Einsatz zeichnete sie der BBSB auf der Festveranstaltung mit der Ehrenmitgliedschaft aus.  

Mit der Medaille für hervorragende Verdienste ehrte der BBSB Pfarrer und Kirchenrat außer Dienst Lothar Süß, der über 30 Jahre die evangelische Blinden- und Sehbehindertenseelsorge in Bayern geleitet hatte. Bei seiner Tätigkeit sei er immer sehr nah am Menschen gewesen und habe in Arbeitsgruppen auch die Verbands- und sozialpolitischen Aktivitäten des BBSB mitgestaltet, so der Laudator und stellvertretende Landesvorsitzende Dr. Stefan Insam.

Bereits in den 90er Jahren war Judith Faltl mit Schulbesuchen für den BBSB unterwegs und im Bezirksgruppenausschuss von Oberbayern-München tätig. Seit 1994 ist sie im Landesvorstand und seit 12 Jahren Landesvorsitzende. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, geht sie einer Vollzeittätigkeit nach. Für das Ehrenamt beim BBSB setze sie einen Großteil ihrer Freizeit und ihre ganze Kraft ein, sagte Dr. Stefan Insam in seiner Laudatio. Dieses große ehrenamtliche Engagement würdigte der BBSB mit dem Treuering, den Dr. Stefan Insam an die Landesvorsitzende Judith Faltl überreichte.

Für die musikalische Umrahmung der Festveranstaltung sorgten die Sopranistin Christiane Öppert und die Pianistin Anna Scheps. Bei Kaffee, Kuchen und Erfrischungsgetränken sowie persönlichen Begegnungen klang der Nachmittag aus.

Vorstandswahlen

An die Entgegennahme des Tätigkeits- und Finanzberichts sowie die Entlastung des Vorstandes schloss sich die Wahl des neuen Vorstandes an. Darin bestätigten die Delegierten Judith Faltl, 46, als Landesvorsitzende und Dr. Stefan Insam, 46, im Amt des Stellvertreters. Als Beisitzer wurden Gerhard Schopp, 60, Bruder Elija Morbach, 58, und Dr. Thomas Krämer, 44, wiedergewählt. Neu in den Kreis der Beisitzer wählte die Landestagung Franziska Weigand, 44, und Karl Depner,33.

Satzungsänderung

Die Landestagung hatte über Satzungsänderungsanträge zu entscheiden. Von besonderer Bedeutung ist die Öffnung des Vereins für den Personenkreis der Augenpatienten. Sie können künftig die ordentliche Mitgliedschaft mit allen Rechten und Pflichten erwerben. In Paragraph 5 Abs. 1 heißt es: „Ordentliches Mitglied kann jede Person werden, die blind, sehbehindert, hör-sehbehindert oder taubblind ist oder deren Erkrankung zur Sehbehinderung oder Erblindung führen kann.“ Auf der Website des BBSB finden Sie Fotos zum kostenfreien Abdruck im Rahmen der Berichterstattung über die Landestagung 2015 des BBSB e.V. 

 

Fotos zum kostenfreien Abdruck im Rahmen der Berichterstattung über die Landestagung 2015 des BBSB e.V.

Fotos 1: Neugewählter Vorstand des BBSB e.V.

Neugewählter Vorstand des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e.V.: (v.l.) Karl Depner, Dr. Thomas Krämer, Judith Faltl, Dr. Stefan Insam, Franziska Weigand, Gerhard Schopp, Bruder Elija Morbach

Urheber: BBSB e.V./K.Schreck

Foto 2: Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration Michael Höhenberger

Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration Michael Höhenberger auf der Landestagung 2015 des BBSB e.V.

Urheber: BBSB e.V.

Foto 3: Übergabe des Inklusionspreises 2015

BBSB Landesvorsitzende Judith Faltl übergibt den Inklusionspreis 2015. Apple-Mitarbeiters Jakob Kwietniewsk nimmt ihn stellvertretend für die Apple GmbH entgegen.

Urheber: BBSB e.V.   

Foto 4: Dankesworte des blinden Apple-Mitarbeiters Jakob Kwietniewski

Dankesworte des blinden Apple-Mitarbeiters Jakob Kwietniewski für den BBSB Integrationspreis 2015 für die Fimra Apple GmbH

Urheber: BBSB e.V.

Foto 5: Moderator der Festveranstaltung Christian Stahlberg auf der Bühne

Urheber: BBSB e.V.

 

 

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