„Die Dreigroschenoper“ am Staatstheater Augsburg und Programm zum Brechtfestival 2026 – Vorstellung mit AD am 06.03.

BBSB-Inform am 04.03.2026

Sehr geehrte Damen und Herren,

Nach über 20 Jahren bringt das Staatstheater Augsburg „Die Dreigroschenoper“ zurück auf die Bühne der Geburtsstadt Bertolt Brechts. Die Neuinszenierung in der Regie von Sapir Heller ist der Höhepunkt des Theaterbeitrags zum Brechtfestival 2026 (27. Februar bis 1. März), bei dem das Staatstheater als größter institutioneller Partner auftritt.

Neben drei Vorstellungen von „Die Dreigroschenoper“ zeigt das Fünfspartenhaus „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller mit ebenfalls drei Vorstellungen innerhalb des Brechtfestivals.

Begleitende Workshops und inklusive Angebote knüpfen an den konzeptionellen Ansatz der neuen Festivalleitung an.

„Die Dreigroschenoper“ (Premiere: 27.2.26) wird dabei am 6. März mit Audiodeskription und ergänzenden Angeboten gezeigt.

Die renommierte israelische Regisseurin Sapir Heller inszeniert „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weill (Musik) unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann mit einem großen Ensemble aus musikalisch versierten Schauspielerinnen und Schauspielern, Mitgliedern der Augsburger Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Ivan Demidov sowie einer Band aus lokalen Musiker:innen (Leitung Schauspielmusik: Stefan Leibold) in der Interimsspielstätte martini-Park. Die Rolle des Macheath, genannt Mackie Messer, übernimmt Ensemble-Mitglied Thomas Prazak. In den weiteren Rollen sind Natalie Hünig, Patrick Rupar, Sebastian Müller-Stahl und Mirjana Milosavljević vom Staatstheater Augsburg sowie Olivia Lourdes Osburg und Samantha Ritzinger als Gäste zu erleben.

Sapir Heller, die nach eigenen Worten mit Brechts Texten Deutsch gelernt hat und zuletzt in Tel Aviv seine Mutter Courage inszenierte, schätzt an seinen Werken, dass sie die ganz großen gesellschaftlichen und politischen Themen behandeln – und das mit allen zur Verfügung stehenden Unterhaltungsmitteln des Theaters, so die Regisseurin. „Die Dreigroschenoper“ jetzt hier in Augsburg inszenieren zu dürfen, ist für mich als Brecht-Fangirl wirklich etwas ganz Besonderes.

Schonungslos legt „Die Dreigroschenoper“ offen, wie bürgerliches und kriminelles Geschäftsverhalten ineinander übergehen. Moral hat hier – wie das sprichwörtlich gewordene Zitat Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral deutlich macht – keinen Platz. Die gezeigten Mechanismen von Macht, Machterhalt und dem Willen zum Überleben machen die 1928 uraufgeführte Geschichte aus der Halbwelt der Bettler:innen und Kriminellen bis heute zu einem Spiegel gesellschaftlicher Strukturen.

Mit großer musikalischer Kraft und zeitkritischer Schärfe erzählt Sapir Hellers Neuinszenierung den modernen Klassiker als einen existenziellen Kampf. Die Ausstattung (Kostüme: Slavna Martinovic) setzt dabei auf überraschende Details und ein wüstenartiges Niemandsland (Bühne: Anna van Leen), in dem die Figuren um ihr Überleben, aber auch um Macht und Anerkennung ringen – und dennoch immer wieder an ihren eigenen Gefühlen und Beziehungen scheitern.

Sabeth Braun, Leitende Schauspiel-Dramaturgin am Staatstheater Augsburg, sagt zur Entscheidung für Die Dreigroschenoper: Warum noch länger auf die Wiedereröffnung des Großen Hauses warten? 2002 wurde die letzte Neuinszenierung hier in Augsburg realisiert – wir finden: es ist Zeit für eine neue Sicht auf diesen streitbaren Klassiker.

Die Dreigroschenoper

„Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weill (Musik) unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann
Premiere: Freitag 27.2.26 19:30 Uhr
martini-Park

Vorstellungen während des Brechtfestivals am Freitag, den 27.2. (Premiere), Dienstag, den 3.3. und Freitag, den 6.3. (jeweils 19:30 Uhr) sowie Folgevorstellungen bis Mai 2026.

Alle Infos und Tickets unter:
www.staatstheater-augsburg.de/die_dreigroschenoper

Die Hamletmaschine

Heiner Müller gilt als der vielleicht radikalste Erbe Bertolt Brechts – und so ist auch „Die Hamletmaschine” kein gewöhnliches Theaterstück, sondern eine Verdichtung aus Sprache, Geschichte und Identität. Mit der Premiere dieses in Deutschland derzeit selten gespielten Stücks in der brechtbühne bringt das Staatstheater Augsburg eine zweite Theaterproduktion in das Brechtfestival 2026 ein.

Das 1977 entstandene, nur neun Seiten umfassende Stück weist weder Charaktere noch Dialog oder Handlung im herkömmlichen Sinn auf, sondern besteht aus auf den ersten Blick unzusammenhängenden Prosafragmenten und Regieanweisungen. Der Text verweigert sich einfachen Deutungen und stellt Fragen, auf die er keine Antworten hat. Verstanden werden kann er als ein Spiegelspiel zwischen Hamlet und Ophelia, Mann und Frau, Intellektuellem und Revolutionärem.

Regisseurin Lilli-Hannah Hoepner, die zuletzt 2024 in Augsburg Romeo und Julia inszeniert hat, erweitert Heiner Müllers Text mit zusätzlichem Material über Ophelia um eine weibliche Perspektive.

Buchstäblich im Nebel inszeniert, entfaltet sich aus dem Spiel der Augsburger Darstellenden Ute Fiedler, Julius Kuhn, Jenny Langner und Kai Windhövel ein Theaterabend von beklemmender Aktualität. Choreografie (Rônni Maciel), Licht (Alexander Cappek) und Musik (Lilijan Waworka) unterstreichen die Intensität und Dringlichkeit, mit der Heiner Müller Shakespeares „Hamlet“ in die Trümmer des 20. Jahrhunderts zerlegt.

Die Hamletmaschine
Schauspiel von Heiner Müller
Premiere So 1.3.26 18 Uhr
brechtbühne im Gaswerk

Vorstellungen während des Brechtfestivals am Sonntag, den 1.3. (Premiere, 18 Uhr), Dienstag, den 3.3. und Mittwoch, den 4.3. (jeweils 19:30 Uhr).

Alle Infos und Tickets unter:
www.staatstheater-augsburg.de/die_hamletmaschine

Begleitende Workshops und inklusive Angebote

Mit einem Begleitprogramm rund um „Die Dreigroschenoper“ greift das Staatstheater Augsburg den inklusiven Ansatz des neuen Brechtfestival-Leitungsteams auf:

  • Im Theatervermittlungs-Workshop „3 Groschen für die Demokratie“ für Schülerinnen und Schüler ab der 10. Klasse erforschen die Teilnehmenden mit Methoden Brechts, wie Macht, Verantwortung und Mitbestimmung unser Zusammenleben prägen.
  • Der offene Workshop „Tanz mit Parkinson!“ lädt an Parkinson-Erkrankte, deren Begleitpersonen sowie Seniorinnen und Senioren mit Bewegungseinschränkungen ein, sich inspiriert von der Dreigroschenoper kreativ zu bewegen. Angeleitet werden sie dabei von den von Dance for PDR New York ausgebildeten Tänzerinnen Serena Pettinari und Gabriella Gilardi, die auch das gleichnamige Langzeitprojekt am Staatstheater Augsburg in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Augsburg leiten. Stefan Leibold gibt exklusive Einblicke in die musikalische Werkstatt der Dreigroschenoper und versorgt die Gruppe mit den ohrwurmverdächtigen Brecht/Weill-Hits.
  • Bei der Vorstellung am 6.3. (und außerhalb des Festivals noch einmal am 27.3.) wird „Die Dreigroschenoper“ für blinde und sehbehinderte Menschen mit Audiodeskription angeboten. Die visuellen Vorgänge auf der Bühne werden dabei live eingesprochen und auf individuelle Empfangsgeräte übertragen. Eine Tasteinführung, bei der die Kostüme und Requisiten vor der Vorstellung kennengelernt werden können, rundet das Angebot ab.

Festivalzentrum / KARO [10]
Donnerstag, 5.3.26 (neuer Termin!), 14–16:30 Uhr

Festivalzentrum / KARO [10]
Freitag, 6.3.26, 10:30 Uhr

martini-Park
Freitag, 6.3.26
Tasteinführung: 18.45 Uhr
Vorstellung mit Audiodeskription: 19:30 Uhr

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