15.10.2026
München, 14. Oktober 2026 „Es gibt Gesprächsbedarf“ – mit diesen Worten lud der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund e. V. rund 60 Gäste aus Politik, Verbänden und Wirtschaft ein, um gemeinsam darüber zu sprechen, wie die Bedingungen für Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt verbessert werden können.
Holger Kiesel, Bayerischer Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderung, stellt in seiner Rede klar: „Die Zahl der Menschen mit Behinderungen ohne Beschäftigung ist im Moment erschreckend hoch.“ Aus eigener Erfahrung weiß er, dass Menschen mit Behinderung oftmals Steine in den Weg gelegt werden und ihr Potenzial ungenutzt bleibt. Daher fordert er: „Dem müssen wir alle konsequent entgegenwirken!“
In einer anschließenden Podiumsdiskussion vertieften die Gäste das Thema. Franziska Sgoff, die erste fest angestellte blinde Mitarbeiterin bei Microsoft Deutschland, sieht vor allem die digitale Barrierefreiheit als wichtigen Hebel: „Technologie kann das Leben von Menschen nachhaltig verändern.“ Auch der BBSB fordert seit Langem, dass digitale Barrierefreiheit im Arbeitsleben verpflichtend sein muss.
Insbesondere Screenreader sind für blinde und sehbehinderte Menschen wichtige Hilfsprogramme, die Bildschirminhalte per Sprachausgabe zugänglich machen. Alternativ können die Inhalte über eine sogenannte Braillezeile ausgegeben werden. Dieses Gerät stellt digitale Texte in Blindenschrift dar. Für blinde Menschen wie Franziska Sgoff können diese Hilfsmittel bereits zu einem möglichst barrierefreien Arbeitsalltag beitragen.
Auch Dr. Norbert Kollmer, Präsident des Zentrums Bayern Familie und Soziales (ZBFS), sieht in der Digitalisierung eine große Chance für mehr Barrierefreiheit. Er wünscht sich von Arbeitgebern, dass diese Vorurteile abbauen und den Mut haben, Menschen mit Behinderung einzustellen.
Die Gespräche an diesem Abend zeigten, dass alle dazu beitragen können und sollten, um mehr Menschen mit Behinderung in Beschäftigung zu bringen. Das Potenzial gut ausgebildeter Menschen könnte zur Behebung des Fachkräftemangels viel besser ausgeschöpft werden.
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Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. (BBSB)
Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund e. V. (BBSB) ist die Selbsthilfeorganisation der rund 100.000 blinden, sehbehinderten und zusätzlich gehandikapten Menschen in Bayern. Er vertritt ihre Interessen gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Ziel des BBSB e.V. ist es, blinden und sehbehinderten Menschen ein selbstbestimmtes und möglichst selbstständiges Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. In zehn Blickpunkt Auge-Beratungsstellen bietet der BBSB e.V. wohnortnahe Hilfen an – dazu gehören der ambulante Reha-Dienst mit Schulung in selbständiger Haushalts- und Lebensführung, sozialrechtliche Beratung, individueller Textservice, berufliche Rehabilitation, Austausch mit Gleichbetroffenen, Freizeit und Fortbildung.