Bernhard Claus verlor vor 40 Jahren durch einen Motorradunfall sein Augenlicht. Trotzdem beschloss er, ganz allein auf die Wiesn zu gehen, denn er war neu in München und kannte dort noch niemanden. „Die Zelte waren wegen Überfüllung geschlossen‟, erzählt er, „doch ein Türsteher brachte mich schließlich zu einem freien Platz.‟
Fremde am Tisch rückten zusammen, hießen ihn willkommen, man stieß an, erzählte, lachte. Bernhard blieb bis spät in die Nacht – zufrieden und erfüllt von Begegnungen, die er nie erwartet hätte. „Ich rate jedem‟, sagt er heute, „es einfach auszuprobieren. Wer sich das zutraut, erlebt auch allein auf der Wiesn etwas Besonderes.‟
Diese Selbstverständlichkeit, mit der Bernhard mitten ins Leben geht – sie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis kontinuierlicher Arbeit: Beratung, Hilfsmittel, Training zur selbstständigen Lebensführung.
Als Bernhard seinerzeit erblindete, besuchte ihn eine selbstbetroffene Beraterin schon im Krankenhaus. Von einer Zukunft als blinder Mensch wollte er am Anfang gar nichts wissen. Doch die Beraterin zeigte ihm Dinge wie die sprechende Uhr und wie er sich im Krankenhauszimmer orientieren konnte.
Später kamen ein Training in Orientierung und das Gehen mit dem weißen Blindenlangstock dazu. Bernhard lernte außerdem mit einem Vorleseprogramm für den Computer, diesen zu bedienen. Heute arbeitet er als Berater für barrierefreie Umwelt- und Verkehrsraumgestaltung.
Neben all der Fachkompetenz waren es die Menschen, die Bernhard auf seinem Weg bestärkten und ihm Mut gaben. Die Beratung und Unterstützung des BBSB halfen ihm dabei, sein Leben als blinder Mensch selbstständig zu gestalten. Und auf der Wiesn gehörte er unter den Feiernden einfach dazu.
Dass Selbstständigkeit und die Unterstützung durch andere kein Widerspruch sind, zeigt Bernhards Besuch auf dem Oktoberfest.
Auch heute – und in Zukunft – unterstützt der BBSB blinde und sehbehinderte Menschen in Bayern in ihrem Alltag und in unterschiedlichen Lebensphasen. An mehr als zehn Anlaufstellen beraten unsere Mitarbeitenden wohnortnah und kompetent, bieten die Möglichkeit, Hilfsmittel auszuprobieren und informieren etwa zu Fragen rund um Schule, Ausbildung und Beruf. Dabei nehmen sie sich Zeit und haben ein offenes Ohr für persönliche Anliegen. Ziel ist stets die Hilfe zur Selbsthilfe.
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