Füreinander da sein – mit Hörsehbehinderung
Menschen, die gleichzeitig von einer Hör- und von einer Sehbehinderung betroffen sind, benötigen besonders intensive Unterstützung im Alltag.
Verbundenheit seit 32 Jahren
Wenn Hans L. und Josefa S. gemeinsam die Wohnung verlassen, führt Josefa S. ihren Mann, denn er ist schwer hörbehindert und blind. Das Rauschen der Bäume und das Zwitschern der Vögel vor seinem Wohnhaus kann er nicht hören. Das Wasser der Würm nahe ihrer Wohnung, das hell- und dunkelgrün im Wechsel schimmert, sieht er nicht. Hans L. kam blind und hörbehindert zur Welt, seit einer Zahnoperation vor 14 Jahren ist er nahezu taub.
Lange lebte er bei seiner Familie. Als sein Vater aus Altersgründen in ein Heim ziehen musste, sprang Josefa S. ein. Das war vor 32 Jahren. Seit 15 Jahren sind sie verheiratet und füreinander da, im Alltag und im Leben.
Doch vor sechs Jahren erlitt Josefa S. (83) einen Lendenwirbelbruch, der immer tiefer einbrach; sie hatte starke Schmerzen. Danach musste sie sich, beim Führen ihres Mannes, auf einen Stock stützen. Heute braucht sie dafür sogar einen Rollator. Die beiden sorgen sich: Was ist, wenn der Zustand von Josefa S. schlechter wird? Hans L. sagt: „Ohne sie kann ich mich nicht versorgen und nur schwer verständigen.”
Um miteinander zu kommunizieren, lormen die beiden. Josefa S. tippt dabei die Buchstaben in die geöffnete Handfläche ihres Mannes. „Was wäre, wenn ich länger ins Krankenhaus muss und er nicht mitkann?”, diese Frage macht Josefa S. Angst. Kurzzeitpflege ginge nicht, denn niemand kann sich ja mit ihrem Mann verständigen. Wie sollte es funktionieren? Durch seine Behinderung ist Hans L., so wie alle ähnlich Betroffenen, sehr abhängig von seinen Mitmenschen.
Heute sind sie froh, dass die Schmerzen erträglich sind und es ihnen soweit gut geht. Beide freuen sich auf die gemeinsamen Nachmittage beim BBSB. „Dort sind wir regelmäßig zu Gast“, sagt Josefa S., „da kann sich Hans mit anderen durch Lormen unterhalten und das Beisammensein wirklich genießen. Zum Beispiel in der bald anstehenden Vorweihnachtszeit.“
Lormen – so funktioniert es
- Ein Hand liegt auf dem Handrücken – auf ihr wird gelormt.
- Eine streichende Berührung mit der Fingerspitze bedeutet einen Strich.
- Ein kurzes Antippen mit der Fingerspitze bedeutet einen Punkt.
- Drückt man Zeige- und Mittelfinger leicht zusammen, bedeutet dies ein „f“.
- Drückt man vier Finger leicht zusammen, bedeutet dies ein „sch“.
- Streicht man ein Kreuz auf den Handteller, bedeutet dies ein „ch“.
- Drückt man vier Fingerspitzen gleichzeitig auf den Handteller, bedeutet dies ein „k“.
- Trommelt man leicht mit zwei Fingern auf den Handteller, bedeutet dies ein „r“.
- Beim Lormen wird nicht zwischen Groß- und Kleinschreibung unterschieden.
(Quelle: DBSV)
Hörsehbehindert im BBSB gut aufgehoben
Das weiß auch unser Referent Peter Bleymaier: „Seit über siebzehn Jahren bin ich beim BBSB für taubblinde Menschen da. Ich kann gut nachempfinden, wie schwierig die Kommunikation für Betroffene ist, da ich selbst blind und stark hörbehindert bin. Der Kontakt von Mensch zu Mensch ist für uns so wichtig.”
Der BBSB engagiert sich auf vielfältige Weise. Auf politischer Ebene setzen wir uns für den erhöhten Hilfebedarf taubblinder Menschen ein. Wir beraten von Mensch zu Mensch, durch unseren selbst betroffenen Referenten Peter Bleymaier. Hier wollen wir die richtigen Hilfsmittel und Unterstützung für die betroffenen Menschen ermitteln.
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