Mit den Händen lesen – 200 Jahre Brailleschrift
Die Blindenschrift wird 200 Jahre alt. Sie befähigt auch heute blinde und stark sehbehinderte Menschen, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Schreiben und Lesen lernen mit Blindheit und Sehbehinderung
Mit ruhigen Bewegungen fährt Nora über die Tasten der Braille-Schreibmaschine. Ihre Finger folgen der Form, erkunden jeden Hebel, jede Kerbe. Ohne Worte, nur durch Bewegung, erfasst sie schnell Informationen – ordnet sie ein und verbindet sie mit Gelerntem. Endlich hat sie die Taste für das A gefunden und tippt es mit dem Finger. Neben ihr sitzt Sascha Schulze, ihr Lehrer. „Seit April 2023 fördere ich nebenberuflich Schüler*innen des Sehbehinderten- und Blindenzentrums Südbayern in der Braille-Schrift“, erklärt er. „Es bereitet mir viel Freude, mit Kindern und Jugendlichen zu lernen. Ich sehe schnell Erfolge und die Schüler*innen sind sehr dankbar.“ Die Braille-Schrift, die er den Schüler*innen vermittelt, ist ein Schlüssel zu mehr Selbstbestimmung für blinde und sehbehinderte Menschen.
Seit 200 Jahren ermöglichen sechs kleine Punkte, angeordnet wie die sechs Augen auf einem Würfel, Informationen zu lesen, Texte zu schreiben, zu rechnen und vieles mehr – auf der ganzen Welt! Sie ist der Schlüssel zu Bildung, Beruf und Teilhabe, auch im digitalen Zeitalter. Das Beratungs-, Informations- und Textservice-Zentrum (BIT) des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e. V. (BBSB) bietet deshalb für viele Menschen mit Sehbehinderungen maßgeschneiderte Textservices an, auch für Personen mit geringem Budget. Gegen eine Schutzgebühr wird hier Literatur in Blindenschrift produziert, vom Koch- bis zum Sachbuch, vom Krimi bis zum Kinderbuch, natürlich auch für Nora.
Mithilfe von Spenden kann das BIT diesen wichtigen Service ausbauen und noch mehr Sehbehinderten Zugang zu Literatur ermöglichen. So erhalten blinde und sehbehinderte Menschen nicht nur Zugang zu Informationen, sondern können diese auf ihre individuelle Art und Weise erleben.
Mit den Händen lesen – Die Blindenschrift wird 200 Jahre alt
Der Siegeszug von sechs kleinen Punkten
Mit 16 Jahren erfand Louis Braille 1825 in Frankreich die Blindenschrift. Louis verlor im Alter von nur drei Jahren durch einen Unfall sein Augenlicht. Als der intelligente Junge später am Nationalen Blindeninstitut in Paris lernte, kam er in Kontakt mit dem System der Punktschrift von Charles Barbier. Dieser hatte für das Militär eine „Nachtschrift“ entwickelt, die im Dunkeln zu ertasten und zu entziffern sein sollte.
Eine Revolution nimmt ihren Lauf
Braille erkannte das Potential und entwickelte die Schrift weiter, indem er die Anzahl der zu erfühlenden Kästchen stark reduzierte. Das Ertasten der Punkte erleichterte sich dadurch. In einer Zeit, in der es noch keine elektronischen Medien gab, kein Radio, kein Fernsehen, kein Telefon und die Menschen neben dem Hörensagen nur durch Druckerzeugnisse Neuigkeiten oder Wissen erfuhren, war diese Erfindung bahnbrechend. Blinde und sehbehinderte Menschen erhielten endlich die Möglichkeit, wie alle anderen am Leben aktiv teilzunehmen.
Barrieren abbauen – Chancen schaffen
Nach dem Klingeln füllt sich langsam der Unterrichtsraum. Sascha Schulze, von Geburt an blind, sitzt bereits an einer Braille-Schreibmaschine und wartet auf seine Schülerin Nora. Die Schülerin findet ihren Platz und sofort beginnt der Einzelunterricht.
„Die meisten Kinder können Braille, aber es gibt bei meinen Schüler*innen noch einen zusätzlichen Bedarf“, erklärt Schulze. „Die Kinder lernen am Perkins Brailler. Diese Schreibmaschine ist mit neun Tasten für eine Vielzahl von Anwendungen konzipiert. Jeder kann mit ihr Lesen lernen, aber auch komplexe Mathematikaufgaben lösen.“
Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft
Er unterrichtet auch Schüler mit Migrationshintergrund in Grammatik oder Kinder, die erst kürzlich ihr Augenlicht verloren haben. „Ich möchte mit meiner Arbeit den Kindern Mut machen, aktiv und selbstbestimmt am Leben teilzunehmen, so wie ich es gelernt habe.“
Die Arbeit mit den Schüler*innen macht Schulze nur nebenberuflich. In seinem Hauptberuf ist er Autor und Redakteur für Audiodeskription. „Audiodeskription ist ein Verfahren, das blinden und sehbehinderten Menschen ermöglichen soll, visuelle Vorgänge besser wahrnehmen zu können. Dabei wird die Handlung mit einem akustischen Kommentar versehen, um sie für das Publikum erfassbar zu machen.“
Unterstützen Sie uns
Helfen Sie mit Ihrer Spende dabei, dass noch mehr blinde und sehbehinderte Kinder Zugang zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe erhalten!
Sascha Schulze bietet den Braille-Kurs auch für den BBSB an. Bitte spenden Sie, damit noch mehr Menschen aktiv am Leben teilnehmen können.
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Alternativ können Sie Ihre Spende auch überweisen:
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